9. März 2009
Die ehemalige FIFASchiedsrichterin Nicole Petignat engagiert sich nach ihrem Rücktritt von der Super League weiterhin für den Fussball. Sie leitet den weltweit ersten Schiedsrichterkurs für Obdachlosen-Strassenfussball am kommenden Wochenende, 14. und 15. März in Basel.
Nicole Petignat, die erste Schiedsrichterin auf FIFAâ€Stufe nimmt auch im Strassenfussball für sozial benachteiligte Menschen eine Pionierrolle ein. Zwar pfeifen für den „Homeless World Cup“ (die jährliche Weltmeisterschaft der Obdachlosenâ€Strassenfussballer) seit jeher schon sozial engagierte Koryphäen wie etwa der dänische Rekordschiedsrichter Kim Milton Nielsen, doch bis dato noch keine Frauen. Ihren Einstand als Referee im Obdachlosenâ€Strassenfussball gab Petignat beim Finalturnier um die Schweizer
Meisterschaften im vergangenen September in Basel. Neben Nicole Petignat konnte Surprise auch den österreichischen Oberligaâ€Schiedsrichter Gerhard Holzmann als Instruktor gewinnen. Holzmann entwickelte anlässlich des ersten Homeless World Cup 2003 in Graz gemeinsam mit Schiedsrichterkollegen die internationalen Street Soccer Regeln und ist heute Head Referee des Homeless World Cup.
Surprise Strassensport organisiert den Schiedsrichterkurs, um dem Zuwachs an Teams und Turnieren sowie dem gestiegenen spielerischen Niveau gerecht zu werden. Strassenfussball ist neben dem Strassenmagazin die zweite Hauptaktivität von Surprise. In der Surprise Strassenfussballâ€Liga spielen 16 Teams verschiedener sozialer Institutionen der ganzen deutschen Schweiz um den Schweizermeistertitel. Das Meisterteam nimmt als offizielle Schweizer Nationalmannschaft am jährlichen „Homeless World Cup“ teil. Das diesjährige Weltmeisterschaftsturnier findet vom 6. bis 13. September in Milano, Italien statt.
Weitere Informationen:
Surprise Strassensport Tel. 061 564 90 10
Olivier Joliat o.joliat@strassenmagazin.ch oder
Lavinia Biert l.biert@strassenmagazin.ch
9. März 2009
Die Obdachlosen Fussballer spielen an der MUBA für die Milleniumsziele der UNO.
Schon bevor die Saison 09 von Surprise Strassensport startet, krempeln zwei Teams die Stulpen hoch. Ab dem 13. Februar spielten die Street Kickers Basilisk und Surprise Basel während der Mustermesse Basel (MUBA) gegen Mannschaften aus Politik und Wirtschaft.
Organisiert wurden die Freundschaftsspiele vom Centre for Millennium Development Goals (CMDG). Das in Basel beheimatete Institut setzt sich für die Umsetzung der 2000 von der UNO Vollversammlung ratifizierten Milleniumsziele ein. 192 Staaten unterzeichneten die acht Entwicklungsziele für eine bessere und gerechtere Welt. Auch die Schweiz. Nur weiss hier kaum wer von den Milleniumszielen, die von der Bekämpfung extremer Armut und Hunger über Gleichberechtigung bis zum globalen Klimaschutz reichen. Das will das CMDG ändern. Die MUBA mit ihren gut 300 000 Besuchern bietet sich da als ideale Plattform an. Per Infostand, Diskussionsforen und den Street Soccer Spielen soll die Aufmerksamkeit der Messebesucher erlangt werden.
Strassenfussball passt bestens, um während der grössten Schweizer Konsummesse Interesse für die ernste Problematik zu wecken. CMDG-Projektleiterin Mirjam Baitsch: «Wir wollen die Leute lieber spielerisch, denn mit dem Mahnfinger erreichen.» Mit der bunt gemischten Team-Palette von Immigranten und Sozial Benachteiligten bis zu Wirtschaftsführern und Politikern soll zudem gezeigt werden, dass es zur Lösung der weltweiten Probleme ein internationales Zusammenspiel aller braucht – inklusive der MUBA-Besucher. Vor und nach den Freundschaftsspielen, die vom 13. – 22. Februar von 12 bis 13 Uhr stattfinden, spielen auf dem Street Soccer Court Mannschaften mit Jugendlichen aus der Region.
7. Dezember 2008
Gut 7000 Leute bildeten auf dem Federation eine so laute wie schöne Atmoshäre für die Finalspiele des 6. Homeless World Cup.
Beim erstmals ausgetragenen Turnier der Frauen war das Endspiel eine klare Sache: Sambia dominierte das Rumpfteam Liberias (nur zwei Spielerinnen waren aus der Originalformation. Spielerinnen von Gastgeber Autralien halfen aus). Die Frauen aus Sambia gewannen 7:1 und sind die ersten Weltmeisterinnen-Team des Homeless World Cup.
Ausgeglichener und spannender war das Finale der Männer. Afghanistan legte zwar meistens vor, führte jedoch nie mit mehr als einem Tor Differenz. Umso grösser war die Freude, als das Spiel beim Stand vom 5:4 zugunsten Afghanistans endete.
Die überraschend zahlreichen Anhänger Afghanistans, die schon über die ganze Turnierdauer ihre Mannschaft frenetisch unterstützten, konnten nur mit massierten Security Aufgebot vom Stürmen des Feldes abgehalten werden. Die Stimmung war heiss und fanatisch, jedoch stets freudig friedlich. Als die frisch gekürten Fussballhelden dann nach endlosen Ehrenrunden und Pokalübergabe das Stadion verliessen, verschwanden sie und der Pokal sofort in der Fanmasse. Alle wollten die Trophäe anfassen und ein Foto mit ihr oder einem Spieler. Es war ein riesiger und wunderbarer Triumphzug, der Trommeln schlagend und Fahnen schwingend an der Uferpromenade des Yarra Rivers entlang zog. Wiederholt versuchte der Trainer der Afghanen die euphorische Menge zu beruhigen, was ihm und dem Team Staff jedoch kaum gelang. Erst als er sich mit Pokal sowie ein paar Spielern und Betreuern von der Promenade absetzten konnte, beruhigte sich das Geschehen. Die Fans hörten auf zu trommeln, gingen auf die Knie und lauschten der Rede des Trainers. Ein ergreifender Moment, der jedoch nur kurz anhielt. Das Freudenchaos der Afghanen wird in Melbourne wohl die ganze Nacht andauern.
Die Resultate aller Gruppen, Fotos zum Spiel und weitere Infos auf: www.homelessworldcup.org
bei Fragen, Email an: o.joliat@strassenmagazin.ch
7. Dezember 2008
7. Dezember 2008

Die Titelverteidigung ist Schottland nicht geglückt und das Spiel um Platz 3 verloren die Bravehearts gegen Ghana 4:6. Fast schien es, die Schotten haben nicht mehr mit vollem Einsatz gespielt. Oder konnten sie schlicht nicht mehr? Captain Stephen Docherty: «Die Luft war nach der Niederlage im Halbfinal gegen Russland tatsächlich etwas draussen. Die Niederlage hat mehr geschmerzt wie das Spiel heute. Ghana hat grossartigen Fussball gespielt und verdient gewonnen». Der 37-jährige Ex-Junkie pflegt den Gedanken des Fairplay genauso wie die alte Rivalität gegen England. Als Highlight des Homeless World Cup nennt er dreckig grinsend: «Dass wir England geschlagen haben! Das ist fast so schön wie der Titel.»
(zu Schottland–England, siehe hier)
7. Dezember 2008

Heute Sonntag fallen beim Homeless World Cup die Entscheidungen. Alle Teams müssen nochmals spielen, denn Titel- und Platzierungsspiele gibt es in sechs Kategorien, je nach Stärkeklassse nach den Qualifikationsrunden. Alle Teams bereiten sich auch nochmals gründlich auf ihre entscheidenden Spiele vor. Bereits am Morgen sieht man die Teams zwischen den Spielstätten, entlang des Yarra Rivers ihre Aufwärmübungen absolvieren. Ob erfolgreich, erfährt man in bälde.
Die sechs Cups:
1. The Homeless World Cup
2. The Dignitary Cup
3. The City Cup (Melbourne)
4. The Community Cup
5. The Host Cup (The Big Issue)
6. INSP Networking Trophy
6. Dezember 2008
Den Resultaten der zwei Vorrunden entsprechend, spielten die Teams des Homeless World Cup heute in Achtergruppen um die sechs verschiedenen Titel. Erstmals wurde dabei im K.O.-System gespielt. In der stärksten Gruppe, wo es um den Weltmeistertitel geht, kam es im Viertelfinale zur Hammerpaaarung England – Schottland. Das Spiel hielt , was die Affiche versprach. In einem physisch harten Spiel ging England gegen den amtierenden Weltmeister schnell 3:0 in Führung. Es schien sich auszubezahlen, dass das englische Homeless Team von Manchester United trainiert wird. Die Schotten kämpften sich jedoch zurück und konnten zwischenzeitlich ausgleichen. Nach der Pause wechselten sich die Teams mit Toresschiessen ab. Wie es sich für ein Insel-Duell gehörte setzte beim Stand von 6:0 ein Platzregen ein. Notabene das erste Mal beim Homeless World Cup. Und als wär die Dramatik damit nicht genug gesteigert, pfiff Schiedsrichter Kim Nielsen 30 Sekunden vor Schluss, beim Stand von 7:7 noch einen Penalty gegen Schottland. England verschoss und es ging ins Penalty-Schiessen – England verschoss erneut. Das komplette irische Team hinter dem Tor freute dies fast ebenso wie die Schotten, die sich damit für’s Halbfinale qualifizierten.
Die Resultate aller Gruppen des vorletzten Spieltages – darunter einige Überraschungen – findet man auf: www.homelessworldcup.org
bei Fragen – email an: o.joliat@strassenmagazin.ch
5. Dezember 2008

Nach vier Spieltagen mit angenehmen, bis überraschend kühlen Temperaturen, ging heute der «Gemeinsam gegen Kälte»-Wunsch der Deutschen in Erfüllung. Die Sonne bretterte erbarmungslos auf die drei Spielstätten beim Federation Square nieder und die Temperaturen kletterten über 30° Celsius. Sportlich klappte es bei unserem Nachbarn weniger gut: Die Deutschen verloren das entscheidende Spiel gegen Russland mit 9:5 und spielen somit ab morgen nicht mehr um den Weltmeistertitel.
5. Dezember 2008

Beim Homeless World Cup geht es nach vier Spieltagen in die entscheidende Phase. Das spürt man nicht nur bei den Mannschaften, die mit teils ausgefallenen Aktionen – wie etwa der kollektive Kniefall Simbabwes vor dem Tor – die Fussball-Götter um Beistand bitten. Auch die Fans fiebern immer frenetischer mit ihren Teams. Der fanatischste Anhang begleitet dabei Geheimfavorit Afghanistan. Da wird nach Spielschluss auch mal das Feld gestürmt – was die Sicherheitsleute etwas aus der Ruhe bringt. Aber nur etwas, denn es bleibt bei Freudenausbrüchen und Wasser rumspritzen.
Eine riesige Fangemeinde unterstützt auch die Griechen. Kein Wunder, leben doch allein in Melbourne 300′000 Exil-Griechen – weshalb die Stadt auch die “The Third Greek City“ genannt wird, wie Bill Roumeliotis erklärt. Er berichtet für The Greek Herald, die griechische Zeitung Australiens, täglich über den HWC und das Abschneiden seines Teams.
Am grössten ist die Euphorie jedoch, wenn die «Street Socceroos» aufspielen. Mit seinem grossen Kämpferherz hat sich der wirblige Steve Maloney in die Aussie-Herzen gespielt. Seit Team Captain Alex Marshall mit einer Fussverletzung ausgeschieden ist, wirft er sich mit dem treffsicheren Coen Slaughter noch mehr ins Zeug. Ganz zur Freude der Aussie-Fans, die sich unter der brütenden Sonne mit gelb-grünen Strick-Kappen und «Aussie Aussie Aussie – oi oi oi»-Rufen noch weiter aufheizen.
Verloren wirkt auf dem Federation Square dagegen Schweiz-Fan Alain Oklé aus Aadorf im Thurgau (siehe Foto). Vergebens sucht der Eidgenosse auf dem Spielplan seine Equipe. Er kam zwar wegen einem Sprachaufenthalt nach Melbourne, als Fussball-Fan hat er das Schweizer Trikot jedoch immer im Gepäck. Per Zufall sah er dann die Eröffnungs-Parade durch Melbourne ziehen (siehe Artikel «Die Spiele sind eröffnet»). Das Fehlen der Schweiz bedauert er. Der Homeless World Cup gefällt ihm aber auch so. «Jetzt drücke ich halt Brasilien die Daumen – meinem ewigen Favoriten.»
Nächste Woche fliegt er zurück in die Schweiz, um Weihnachten mit der Familie zu verbringen. Und wer weiss: Vielleicht trifft man ihn dann gemeinsam mit anderen Schweizer Schlachtenbummlern Anfang September 2009 in Milano. Die Obdachlosen Fussballer der Schweiz werden dann definitiv wieder mitspielen. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits auf Hochtouren.
mehr Infos, Bilder & alle Resultate auf www.homelessworldcup.org
bei Fragen – email an: o.joliat@strassenmagazin.ch
4. Dezember 2008
Ein Team von 35 Schiedsrichtern aus sieben Nationen steht beim 6. Homeless World Cup in Melbourne während 7 Tagen im Dauereinsatz, um die 349 Spiele zu leiten. Viele davon sind ehemalige lizensierte UEFA oder FIFA Schiedsrichter. Der bekannteste unter ihnen ist Kim Milton Nielson. Für Surprise Strassensport legte der Däne seine Pfeife kurz zur Seite und sprach über Fussball und soziales Engagement.

Herr Nielsen, Schiedsrichter am Homeless World Cup (HWC) zu sein, scheint Spass zu machen. Ich habe sie heute beobachtet wie sie zwischen den Spielen mit den Linienrichtern tanzten.
Kim Milton Nielsen: Definitiv. Die Atmosphäre hier ist ja auch unglaublich. Es scheint, dass tatsächlich alle Spass haben. Selbst wenn die Spieler verlieren, tanzen am Schluss beide Teams gemeinsam.
Pfeifen sie denn auch etwas relaxter?
Nielsen: Nein. Da sind wir Schiedsrichter wie die Spieler. Zweimal sieben Minuten wird alles gegeben. Die gehen ja teilweise ziemlich heftig zu Sache. Ausserdem erwarten sie von einem ehemaligen FIFA-Schiedsrichter eine Topleistung. Das hab ich schon mitbekommen. Aber hier ist ein Spiel noch ein Spiel. Die Freude daran überwiegt den Frust über eine Niederlage. Beim Professionellen Fussball erlebt man Spieler und Leute aus dem Umfeld, die lange nach dem Spiel noch traurig, gereizt oder richtig sauer sind.
Das heisst, hier Schiedsrichter zu sein macht mehr Freude wie an einer WM oder EM?
Nielsen: (lässt Luft raus) Ja und Nein. Das kann man nicht vergleichen. Sicher ist es hier relaxter. Bei einer Weltmeisterschaft der FIFA stehst du jede Sekunde unter Hochspannung, musst eine Topleistung zeigen und wirst von allen Seiten beobachtet und kritisiert. Da stehst du unter enormen Druck. Aber es ist natürlich eine tolle Herausforderung, ein Erlebnis und auch eine Auszeichnung auf höchstem Niveau zu Pfeifen.
Wie beurteilen sie das Fussball-Niveau beim HWC?
Nielsen: Es hat viele exzellente Teams, die sehr professionell daherkommen. Aber das Level ist so unterschiedlich wie die Teams. Die afrikanischen Mannschaften sind unglaublich athletisch, während die Spieler aus Belgien oder Schweden direkt von der Strasse zu kommen scheinen.
Im Spielerfeld kursieren Gerüchte, dass einige Mannschaften Semi- oder gar Voll-Profis angeheuert haben, um den HWC zu gewinnen.
Nielsen: Davon habe ich noch nichts gehört. Aber ich kann die Gerüchte verstehen. Es hat einige Spieler, die technisch und auch konditionell sehr gut sind. Falls dem tatsächlich so wäre, wäre es sehr schade, weil es definitiv nicht der Idee und dem Ziel des HWC entspricht. Allerdings ist es auch schwierig “Homeless” zu definieren. In Afrika. Südamerika oder Südostasien sind Leute aus anderen Gründen Homeless wie in Europa. Dementsprechend sind das auch ganz andere Leute. Da taugt unsere europäische Sicht nicht viel.
Haben sie denn Kontakt mit den Spielern?
Nielsen: Klar, zwischen den Spielen spreche ich mit den Fussballern. Viele kennen mich und wollen mit mir auf einem Foto posieren. Wirkliche Gespräche entwickeln sich aber kaum. Dafür reicht die Zeit nicht. Mein Job ist hier ja auch zu Pfeifen.
Nach vier Spieltagen: Wer ist ihr Favorit?
Nielsen: Ich denke rund zehn Teams haben Titelchancen: Russland, Afghanistan, Irland – auch wenn sie heut enttäuschend spielten, England, Ghana, Nigeria. Ich freue mich auf die Schlussrunde. Selbst wenn die 48 Teams jetzt nach der Vorrunde in zwei Stärkeklassen aufgeteilt wurden, sind die Unterschiede in den Sechsergruppen immer noch riesig. Ab der nächsten Runde müssen die Teams dann zeigen, was sie wirklich drauf haben.
Verfolgen die zu Hause, was in der dänischen Homeless League läuft?
Nielsen: Nein. Ehrlich gesagt fehlt mir da die Zeit dazu.
Dann wissen sie auch nicht, weshalb kein dänisches Team hier ist?
Nielsen: In Dänemark gab es anscheinend Probleme in der Projektleitung und so fiel die Teilnahme ins Wasser. Ich finde das enorm schade, gerade nachdem der HWC letztes Jahr in Kopenhagen stattfand. Ich will dem auch noch nachgehen – ohne jetzt gross etwas zu versprechen. Aber ich habe gehört es läuft nun wieder besser und hoffe, nächstes Jahr klappt es wieder.
Da stellt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit. Glauben sie ein einwöchiger Event wie der Homeless World Cup kann ein Leben verändern?
Nielsen: Bei gewissen Leuten sicher. Ich habe ein zwei Beispiele in Dänemark verfolgt, bei denen der HWC enorm viel bewirkt hat. Klar waren sie nur kurzfristig Stars und medial präsent, aber ihr Selbstvertrauen wurde langfristig gestärkt und ihr Leben und die Einstellung dazu hat sich definitiv verändert. Und das gilt ja nicht nur für die dänischen Spieler. Wenn man die Statistiken der HWC-Foundation ansieht, dann ist dieser Event definitiv eine sehr sinnvolle Sache.
Wie kamen sie als Schiedsrichter zum HWC?
Nielsen: Ich wurde vor Kopenhagen angefragt und fand das eine sehr gute und unterstützenswerte Sache für so schwierige wie unterschiedliche Leute. Als ich dieses Jahr wieder angefragt wurde, sagte ich gerne zu.
War die Umstellung auf die Street-Soccer-Regeln schwierig?
Nielsen: Nein. Das ging schnell. Ich hab ja auch schon andere Fussball-Varianten wie Futsal gepfiffen. Nach einem Match Übung fühlte ich mich sicher.
Beim HWC gibt es im Gegensatz zur FIFA für Schiedsrichter noch keine Altersbeschränkung. Wie lange bleiben sie noch dabei?
Nielsen: (lacht) Ich bleibe so lange dabei, wie es mir Spass macht und ich es mir einrichten kann. Ich arbeite ja seit meinem Rücktritt als Schiedsrichter Vollzeit, mittlerweile als Sales Manager einer Software Firma. Für den HWC gehen zwei Wochen meiner Ferien drauf. Ok, nicht die ganzen zwei Wochen. Ich häng an den HWC noch drei Tage zum Relaxen an. Aber die brauch ich auch, wir pfeifen ja hier von 11 Uhr morgens bis um 19 Uhr fast durchgehend (lacht wieder). Aber die Zeit vergeht wie im Flug. Die Spiele hier bereiten mir und meinen Schiedsrichter-Kollegen viel Freude.

Zur Person:
Der 48-Jährige Kim Milton Nielsen erhielt bereits 1988 die FIFA-Lizenz und pfiff bis zu seinem altersbedingten Rücktritt vor drei Jahren 134 internationale Spiele und hält mit 44 Champions League Spielen den Schiedsrichter-Rekord. Zu seinen Auftritten gehören neben 3 Europa- und 2 Weltmeisterschaften auch die FIFA World Futsal Championship 1989 in den Niederlanden, die Friendship & Peace Games im gleichen Jahr in Kuwait, der World Youth Cup 1993 in Australien, der Confederations Cup 2001 in Japan/Korea und für einen europäischen Referee völlig untypisch der African Nations Cup in Burkina Faso im Jahre 1998.
Der Däne ist neben Pierluigi Colina einer der grossen Schiedsricher-Figuren – nicht nur wegen seinen 1,96 Meter. In Erinnerung ist sicher der Platzverweis David Beckhams, wegen Nachtreten gegen Diego Simeone, beim WM 98 Achtelfinale England – Argentinien. Beckham wurde daraufhin zum Sündenbock für das Ausscheiden der Engländer.
mehr Infos, Resultate , Bilder und Statistiken zum HWC auf: www.homelessworldcup.org
bei Fragen, email an: o.joliat@strassenmagazin.ch
Die untenstehende Bildergallerie zeigt Eindrücke vom hart geführten und von Nielsen souverän geleiteten Aufeinandertreffen seiner beiden Titelfavoriten Irland und England. Kurz vor Schluss zeigte Nielsen einem irischen Spieler noch die blaue Karte, wegen einem Frustfoul nach dem achten Treffer Englands. Das Spiel endete 4:8 - die Spieler lagen sich in den Armen.





